Studierende und ihre Aufgaben



Wir sind eine Arbeitsgruppe, die sich mit verschiedenen Fragestellungen der Radiopharmazeutischen Chemie (RPC) befasst. Hierbei beschäftigen wir uns sowohl mit der organischen Synthese und Evaluierung von medizinisch interessanten Biomolekülen, als auch mit kernchemischen Aspekten, wie zum Beispiel der Produktion und Aufreinigung von Radionukliden und neuen Markierungsmethoden. Als Radionuklide verwenden wir hauptsächlich Positronenemitter (zum Beispiel 18F-Fluor oder 68Ga-Gallium) mit denen wir dann geeignete Biomoleküle radioaktiv markieren.



Wieso markieren wir mit Positronemittern? In der nuklearmedizinischen Diagnostik hat sich die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) als funktionelle bildgebende Methode etabliert. Bei der PET setzt man radioaktiv markierte Moleküle ein, welche sich dann mit Hilfe einer PET-Kamera (ein Gerät ähnlich dem Computertomographen) im Körper verfolgen lassen. Während in der Computertomographie (CT) die Bilder nur Aufschluss über das Aussehen und die Morphologie des Gewebes geben, lassen sich mit PET-Aufnahmen biochemische Funktionen des Gewebes untersuchen. Somit kann man in Geweben oder Organen (z.B. das Gehirn) Krankheiten sehr schnell und in vivo, d.h. ohne äußere Eingriffe diagnostizieren. In Abhängigkeit von den Eigenschaften der eingesetzten radioaktiv markierten Substanz, lassen sich die verschiedensten biochemischen Vorgänge visualisieren.



Besonders interessant ist die Möglichkeit neurologische Vorgänge zu untersuchen, da man so neue Einblicke in die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen und mögliche Therapieansätze erhalten kann. Besondere Schwerpunkte hierbei sind Neurotransmitter-Rezeptor-Wechselwirkungen, auf die Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Depressionen oder Schizophrenie zurückgehen sowie für Sucht- und Schmerzforschung.



Die Aufgabe eines radiopharmazeutischen Chemikers ist es nun, neue biologisch relevante Substanzen radioaktiv so zu markieren, dass sie ihre biologische Aktivität nicht verlieren und mittels PET im Körper verfolgt werden können. Im weiteren Verlauf der Forschungsarbeiten müssen diese neuen Moleküle meist hinsichtlich ihrer biologischen Eigenschaften in verschiedenen Studien (Zellversuche, Assays, etc.) untersucht und charakterisiert werden. Dazu kooperieren wir sehr eng mit der pharmazeutischen, biologischen oder medizinischen Arbeitsgruppen.



In Abhängigkeit vom Arbeitsgebiet werden dabei Fertigkeiten aus den verschiedenen Bereichen der Chemie benötigt. Während die Produktion und Aufreinigung von Radionukliden eher Fertigkeiten im anorganischen und analytischen Bereich voraussetzt, werden für die Synthese von Biomolekülen und Markierungsarbeiten mit 18F-Fluor eher Kenntnisse in der organisch-präparativen Synthese hilfreich sein. Forschungsarbeiten mit metallischen Radionukliden dagegen verlangen sowohl gewisse Fertigkeiten in der Koordinations-Chemie als auch organisch-präparative Kenntnisse. Obwohl die benötigten Fachkenntnisse stark vom Arbeitsgebiet abhängen sollte Dir bewusst sein, dass sie meisten unserer Forschungsvorhaben zu einem großen Teil aus organischer Chemie bestehen und Du Dich darum auf jeden Fall dafür begeistern solltest.